Thomas Buscher in Franken

Geboren 1860 in Gamburg a.d. Tauber als jüngster Sohn des Steinbildhauers Friedrich Buscher und seiner Frau Dorothea. Die Vorfahren waren von Frankreich über die Pfalz nach Gamburg gekommen. Recherchen des Bruders Clemens hatten die Spur bis zu François Boucher, Hofmaler bei Ludwig XV, zurückverfolgt.

Geschwister: Karl Anton Cölestin (der den väterlichen Betrieb übernahm), Theresia, Sebastian (nach Chicago ausgewandert, erfolgreich als Bildhauer tätig), Christian (nach Chicago ausgewandert), Clemens (nach Studium mit Thomas an der Akademie der Schönen Künste in München und gemeinsamen Italienaufenthalt Berufung nach Düsseldorf, Kunstgewerbeschule, dort Lehrauftrag und freischaffend tätig, arbeitet vorwiegend in Bronze, Schwerpunkt Denkmäler und Monumente bedeutender Künstler sowie zahlreiche Privataufträge der Familien Krupp u.v.m. im dortigen Raum. Seine Werke, insbesondere die Bronzebüste seiner Mutter vom Grabmal  in Gamburg an der Tauber, waren auf der Pariser Weltausstellung zu sehen.

Der hochtalentierte Thomas hatte  das Bildhauerhandwerk zunächst im elterlichen Betrieb erlernt und spezialisierte sich im Anschluss auf die  Riemenschneiderschule. Sein Skizzenbuch aus den Jahren 1877/78 zeugt von scharfer Beobachtungsgabe einfacher Leute, die er situativ oder porträtmäßig darstellt. Aufenthalte in Chicago in der Bildhauerwerkstatt seines Bruders Sebastian, Studium in München und Italien. Unter anderem Mitarbeit in dem Atelier des Holzbildhauers Josef Elsner, ab 1894/95 selbständig. Kontakte zu den Häusern Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, Ingelheim Echter zu Mespelbrunn, Donnersmarck, Windisch-Grätz und zum bayer. Prinzregenten. Gründungsmitglied und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst. 1900 baute  er das Haus in der Nymphenburger Str. 40 in München mit Atelier. Professur ohne Lehrauftrag an der Akademie der Schönen Künste, Bayer. Staatsbürgerschaft seit 1907. Sein Können verschaffte ihm Aufträge nicht nur im Badischen, im Fränkischen, in Oberbayern (einschließlich der Pfalz), Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz, sondern auch in Oberschlesien, in Nordmähren, Berlin, England, Stockholm und New York.

Mit zahlreichen Künstlern des gleichen Metiers wie Balthasar Schmitt (Onkel Balthasar) und den Malern Cosmas Layrer und Kaspar Schleibner pflegte er Freundschaften, eng arbeitete er mit den Architekten Jakob Angermair und Fritz Fuchsenberger zusammen. Seine Tochter Gertrude heiratete den Maler Heinrich Wolff aus Inden.

Thomas Buscher entwickelte seinen eigenen unverkennbaren Stil. In den Darstellungen der Heiligen Familie und von Heiligen sind Männer und Frauen mit ausdrucksvollen Gesichtszügen zu erkennen, denen man auch heute in seiner badischen Urheimat, dem Tauberfränkischen, im Frankenland und im Altbaierischen begegnen kann. Er verstand es, seine Figuren mit Leben zu erfüllen. Die Jesuskind-Darstellungen und Engel sind lebensnahe Kinder oder junge Mädchen, in denen sich die 4 Töchter des Künstlers wieder finden. Bei Darstellungen des Todes des Hl. Josef wird das Erlebnis des Todes des eigenen Vaters deutlich, der mit Mitte vierzig – ebenso wie der älteste Bruder Karl Anton – an der Staublunge, der gefürchteten Bildhauerkrankheit, starb.

Bis zu seinem eigenen Tod, 1937, arbeitete er unermüdlich. Sein letztes Werk, den Hochaltar in Bad Königshofen, konnte er nicht mehr vollenden.

Alle Recherchen haben bislang ergeben, dass er vornehmlich alleine arbeitete, teilweise mit einem Bildhauergehilfen. Der Regensburger Künstler Guido Martini lernte bei ihm das Handwerk.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, in dessen Folge das Münchner Wohnhaus abbrannte, geriet sein Werk zunächst in Vergessenheit. Erhalten sind einige Modelle und Atelieraufnahmen seiner Werke in Privatbesitz, welche die Töchter in Koffern verstaut über die Jahre aufbewahrt haben.

Unmittelbare Nachfahren sind eine Enkelin und deren Nachkommen in Chile, wohin eine Tochter in den 20er Jahren geheiratet hatte. Im Auftrag des damaligen Heimatvereins der Geburtsgemeinde Gamburg unternahm es der Schriftsteller und Heimatforscher Heinz Bischof, Karlsruhe, in den 80er Jahren, dem Werk Thomas Buschers auf die Spur zu kommen. Die Ergebnisse seiner Forschung sind in der „Chronik der Buscher Brüder“ von 1988 nachzulesen. Mit ihr wurde das Werk Thomas Buschers erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Urgroßenkelin des ältesten Bruders Karl Anton Cölestin Buscher, Charlotte Baumann-Hendriks, hat nach dem Jahr 2000 die Recherchen wieder aufgenommen. Hierbei hat Heinz Bischof mit Rat und Tat mitgeholfen. Die Recherchen waren äußerst mühsam, aber das Ergebnis hat sich gelohnt. Es stellte sich heraus, dass das Werk von Thomas Buscher weitaus umfangreicher ist, als Heinz Bischof damals in dem ihm gesetzten engen Zeitrahmen herausfand. Zufälle und Hinweise einerseits und die Inhalte der Koffer aus dem Nachlass andererseits sowie engagierte Archivare und Heimatpfleger waren behilflich, das Werk zu ergänzen. Vielfach konnte so vor Ort der Nachweis erbracht werden, dass ein Altar oder eine Einzelfigur von Thomas Buscher geschaffen wurde. Ein Beispiel ist die Salvatorkirche in Berlin-Lichtenrade mit dem einzigen spätbarocken Altar in Berlin. Pfarrgemeinde und Diözese wussten bis zur Aufklärung durch die Urgroßnichte nicht, wer der Künstler war. Ebenso verhielt es sich mit dem hochformatigen und reich gestalteten Gnadenstuhlaltar in der Josefskirche in Speyer. So konnte eine Werkliste entstehen, die über 100 Standorte aufweist. 2005 kamen neue Hinweise hinzu und noch immer sind einige Arbeiten nicht zugeordnet.

Bemerkenswert ist, dass die meisten Altäre und Einzelfiguren erhalten sind und nicht der Bilderstürmerei des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Opfer fielen. Daher ist es an der Zeit, Thomas Buscher wieder neu zu entdecken. Und es lohnt sich. Nicht allein wegen der lebensechten Darstellung seiner Figuren. Thomas Buscher ist auch ein Erzähler. Betrachtet man die Szenen seiner Flügelaltäre, wird das dargestellte Geschehen greifbar und begreifbar. Ein besonders schönes Beispiel ist der Altar der Heiligen Familie in Röthlein bei Schweinfurt.

Die engagierte Kunsthistorikerin Adelheid Waschka und die Juristin Charlotte Baumann-Hendriks haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, eine Retrospektive zu konzipieren, die im 70. Todesjahr des Künstlers, 2007, im Hallstadter Bürgerhaus, ihren Anfang genommen hat. Anschließend ging die Wanderausstellung nach Tauberbischofsheim, Miltenberg und Bad Königshofen. 


Es ist für Frühjahr 2018 geplant, eine umfassende Monografie herauszubringen.

Text von Charlotte Baumann-Hendriks, 

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